Fotos: NABU, W. Ebbinghaus, HaJo Schaffhäuser
Fotos: NABU, W. Ebbinghaus, HaJo Schaffhäuser

Geheimnisvolles Watt am 9. 6. ´18

Ein nicht so sehr geheimnisvolles, dafür aber schlickiges Watt erlebten die zwölf Teilnehmer der Wanderung ins Freiburger Elbwatt am sonnigen Samstag, den 09.06.18, am frühen Nachmittag zur Niedrigwasserzeit.

Der NABU hatte hierzu erstmalig eingeladen.

Dass das Watt nicht nur entlang der Fahrrinne besteht, sondern sich ins Binnenland zieht in Form von Prielen, wurde auf dem Deich erklärt, ebenfalls die Folgen der Eindeichung, die die Ökologie hinsichtlich Wasserhaushalt und Besiedlung mit Organismen völlig umkrempelt. Viele Mechanismen eines Tidebereiches funktionieren nicht mehr, wenn Ebbe und Flut nicht mehr wirken können, so z. B. die Auflandungsprozesse in den Marschen.

Vom Deich ging es dann in das inzwischen sehr schmal gewordene Deichvorland. Grasvegetation mit vielen Beikräutern, hier besonders zahlreich der Klappertopf, ein Halbschmarotzer an Gräsern, und der amphibische Knöterich. Eine besonders hohe Artenvielfalt an Pflanzen findet sich im Hochstaudengürtel, der sich entlang des Spülsaumes entwickelt. Auf natürliche Weise wird er durch Treibsel (treibende, abgestorbene Pflanzenteile) gedüngt, die hier im oberen Tidebereich deponiert werden. Bärenklau, Rainfarn, Huflattich, Beifuss, Engelwurz, verschiedene Ampfer- und Kleearten, Gänsedistel, Gänse-Fingerkraut, Kresse- und Minze-Arten bieten ein reiches Nahrungsangebot für Insekten, die die Blüten aufsuchen oder an Blättern fressen, oder die die Pflanzenfresser fressen.

Zur Elbe hin schließt sich der Röhrichtsaum an, der wiederum gegliedert ist in den Schilfgürtel im oberen Teil, und dem Simsengürtel, der dann in die freien Wattflächen übergeht. Die Schlauchalge „Vaucheria“ bedeckt hier netzförmig den Boden zwischen den locker stehenden Simsen-halmen. Im Schilfsaum finden sich vereinzelt Engelwurz, Blutweiderich und Vogelwicke.

Dem Simsensaum vorgelagert sind meist Bestände der Salz-Teichsimse (Schoenoplectus tabernaemontani), die bis zwei Meter hoch werden kann und als Flechtmaterial genutzt wurde.

Die freien Wattflächen sind dunkel durch schwebendes organisches Material oder überzogen von farbig erscheinenden Belägen verschiedener Kleinstalgen, wie Euglena (Augentierchen), Blaualgen und Kieselalgen (oder Diatomeen). Diese Mikroalgen sind das „Gras“ der Watten und werden von einem großen Artenspektrum von Tieren, von den einzelligen Wechseltierchen (Amöbe), von Rädertierchen, Kleinstkrebsen, Garnelen, kleinen und großen Fischen sowie Vögeln (Brandgans) genutzt. Mehrere hunderttausend dieser Kleinstalgen, die etwa einhundertstel bis ein zehntel Millimeter groß sind. befinden sich oft auf einer Fläche von einem Quadratzentimeter. Enttäusend im Freiburger Watt ist das Fehlen großer Tiere wie Wattwurm, Muschel oder Strandkrabbe bei Niedrigwasser. Hier und dort ist ein kleiner Fisch oder eine Garnele in einer Pfütze zu sehen, die nicht rechtzeitig mit dem Elbstrom ins Fahrwasser gelangen konnte. Eine gefährliche Lage, da sie für Vögel leichter zu fangen sind. Hier hilft dann nur die Tarnung und Ruhe bewahren.

Einige größere Löcher im Watt ließen hoffen, doch noch größere Tiere zu entdecken, doch austretende Luftblasen zeigten: Es sind Kamine, aus denen im Wattboden gebildete Faulgase (Methan) austreten.

Die Ankunft an den unteren Gezeitenbereich verleitete nach dem anstrengenden Fußmarsch durch Schlick zu ausführlicher Diskussion zum Zustand der Elbe, zum Mikroplastik und zum Hinweis, dass wir bei uns anfangen müssen, wenn wir etwas ändern wollen.

Der ganze Bereich des bewachsenen Wattes kann als große Kläranlage für den Fluss angesehen werden. Wie das Moor wird auch dieser Lebensraum hinsichtlich seiner Leistung für unsere Lebensgrundlagen unterschätzt und leichtfertig wie auch achtlos durch Deichbau und Uferbefestigung zerstört.

Der Rückweg gestaltete sich bedingt durch das angenehme Wetter, ebenfalls entschleunigt. Löcher mit austretenden Faulgasen wie auch in Pfützen gefangene Garnelen führten zu kurzen Pausen. Dann, endlich angekommen am Ausgangspunkt, schloss die Wanderung mit Kaffee und Kuchen, und natürlich der Aufforderung, den NABU vor Ort zu stärken und zu unterstützen in Wort und Tat.

Unterstützen Sie mit Ihrer Mitgliedschaft den Naturschutz im Landkreis Stade,
nur noch ein
Klick auf das Piktogramm-->

Druckversion Druckversion | Sitemap
Die Rechte dieser Seite liegen beim NABU Kreisverband Stade e.V.